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Was ist beim Kinderschuhkauf zu beachten?

Die richtige Wahl der ersten Schuhe für dein Kind ist extrem wichtig. Hochwertige, altersgerechte und vor allem passende Schuhe helfen nicht nur beim Erlernen des Laufens, sondern fördern auch eine gute Haltung und das Knochenwachstum wird optimal unterstützt. 

Wir haben mit dem Kinderorthopäden Dr. Christoph Pilhofer und Physiotherapeutin Nadine Conradty gesprochen und die wichtigsten Tipps zum Kauf der ersten Schuhe für dich zusammengestellt – aus medizinischer und funktioneller Sicht.


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Die wichtigsten Punkte im Überblick

Wie entwickeln sich Kinderfüße eigentlich?

Die Füßchen deines Kindes entwickeln sich super schnell und sind ein Wunder der Natur. Schon im ersten Lebensjahr halten sie das Gewicht des Kindes problemlos aus. Kurz nach der Geburt sind die Füße unserer Kleinen noch kaum entwickelt. Das Skelett des Fußes besteht nur aus Knorpeln und ein dickes Fettpolster bietet Schutz und Wärme. Auch durch das Polster fühlt dein Kind schon sehr viel an den Füßen und wird gerne massiert. 

Wenn dein Kind mit dem Stehen und Laufen anfängt, entwickeln sich erst Quer- und Längsgewölbe des Fußes. Durch die Belastung wächst dann auch erst Hornhaut.

Ab wann braucht ein Kind feste Schuhe?

Für den Anfang sind Krabbelschuhe perfekt, sie schützen den Fuß vor Schmutz, Verletzungen und Kälte. Für die ersten eigenständigen Schritte empfiehlt auch Physiotherapeutin Nadine Conradty Barfußschuhe: Mit flexibler, dünner Sohle und ausreichend Platz für die Zehen kommen sie dem Barfußlaufen am nächsten und lassen dem Fuß die Bewegungsfreiheit, die er für eine gesunde Entwicklung braucht.

Wenn dein Kind richtig laufen kann und auch die äußere Umgebung alleine erkundet, solltest du über festere Schuhe nachdenken, die über den Knöchel gehen. Laut Dr. Pilhofer neigen Kinder zu einem Knickfuß und diesem kann dadurch entgegengewirkt werden. Ab wann feste Schuhe Sinn machen, kann man schlecht an einer Altersangabe festlegen. Dein Kind sollte die Umwelt alleine erkunden wollen. Davor reichen Krabbelschuhe völlig aus.

Die richtige Größe ermitteln

Wusstest du schon, dass der Fuß eines Kleinkindes etwa 1,5 mm im Monat wächst? Miss also am besten dreimal im Jahr nach, denn die Füße wachsen schneller als du schauen kann. Nach dem Nachzeichnen/ Umranden des Fußes solltest du etwa 0,5-1 cm zur Länge hinzufügen, damit der Fuß noch etwas wachsen kann. Das Ausmaß der Form kannst du jetzt abmessen und in unserer Größentabelle nachschauen. Schon hast du die passende Größe gefunden und dein Kind wird viel Spaß mit den Krabbelschuhen haben.

Checkliste für gesunde Kinderfüße & kindgerechtes Schuhwerk:


Regelmäßiges Barfußlaufen

Schuhe, die das Barfußlaufen unterstützen

Flexible & weiche Sohle

Keine formgebenden Schuhe

Breite Zehenbox für freie Zehenbewegung

Ausreichend Freiraum vor den Zehen (Länge)

Geringes Gewicht

Weiches Material z.B. Leder

Passgenauigkeit mit Schablone oder Daumen messen

Interview mit einem Kinderorthopäden

Dr. Christoph Pilhofer ist niedergelassener Facharzt für Orthopädie mit der Zusatzbezeichnung Kinderorthopädie und betreut in seiner Gemeinschaftspraxis fast ausschließlich Kinder und Jugendliche mit orthopädischen Problemen unterschiedlichster Couleur. Sein Alltag reicht dabei von der Beurteilung kindlicher Knickfüße bis hin zu komplexeren medizinischen Fällen.

Herr Dr. Pilhofer, warum ist ein vernünftiges, hochqualitatives, auf die speziellen, kindlichen Anforderungen ausgerichtetes Schuhwerk in ersten Entwicklungsjahren besonders wichtig? Welche Auswirkungen kann eine Schädigung der Fußgesundheit in diesen jungen Jahren mit sich ziehen?

„Die kindliche Fußentwicklung wie die körperliche Entwicklung im Allgemeinen ist maßgeblich geprägt von den motorischen Anforderungen, die das Kind seinem Bewegungsapparat im positiven Sinne abverlangt. Als Merksatz kann dabei gelten: „Ein Kind wird, was es tut.“ Demnach ist ein Schuhwerk, das diese Anforderungen unterstützt, nicht nur sinnvoll, sondern für eine gesunde körperliche Entwicklung unabdingbar. In diesem Sinne ist auch die Aufforderung zu verstehen, Kinder immer wieder in geeigneten Situationen barfuß laufen lassen, da diese Form der Belastung für die Fußgesundheit essentiell ist. Ich entlehne an dieser Stelle regelmäßig einen Spruch aus der Architektur, dieser lautet: „form follows function“. Übertragen in den Bereich der Medizin bedeutet das, ein Patient braucht nicht einen wohlgeformten Fuß, um gut laufen zu können, sondern wer viel läuft, entwickelt einen regelhaften Fuß.“


Auf welche Aspekte sollte man beim Kauf von Krabbel- und Lauflernschuhen besonders achten?

„Welche Materialien, Formen, Sohlen etc. sind hier besonders empfehlenswert? Die ersten Schuhe sind eigentlich nur eine Schutzhülle und sollen den Fuß zwar vor äußeren Einflüssen wie Kälte, Nässe o.ä. schützen, ihm aber keine Arbeit abnehmen, denn gemäß den Ausführungen in der Frage zuvor ist muskuläre Arbeit ein positiver Faktor für die Entwicklung des Fußes. Insofern sind weiche und strapazierfähige, aber nicht formgebende Schuhe zu bevorzugen. Ich empfehle in meiner täglichen Arbeit die Verwendung von Schuhen aus dem Material Leder, da dieses den genannten Erfordernissen am ehesten entspricht.“


Ab welchem Alter machen feste Schuhe bzw. Lauflernschuhe Sinn und welche Besonderheiten sollten sie mitbringen?

„Die Antwort auf diese Frage macht sich nicht am Alter der kleinen Patienten fest, sondern vielmehr am motorischen Entwicklungsstand. Kinder beginnen etwa im Alter von 10 Monaten sich aus dem Vierfüßler in den eingehaltenen Stand „hochzuarbeiten“ und ab diesem Moment können Lauflernschuhe je nach Umgebung des Kindes (z. B. Fliesen, Steinböden, o.ä.) sinnvoll sein. Feste Schuhe sind erst überlegenswert, wenn das Kind auch beginnt das Umfeld seines Zuhauses zu entdecken, d.h. wenn die elterliche Wohnung auf eigenen Füßen verlassen wird. Feste Schuhe dürfen dabei gerne knöchelübergreifend sein, da Kleinkinder aus ihrem Körperbau heraus nahezu regelhaft einen Knickfuß aufweisen und hier ein Stück weit entgegengewirkt werden kann.“


Wie finde ich die richtige Schuhgröße für das Kind heraus? Wie viel Platz sollte vom Zeh bis zum Schuh vorhanden sein?

„Die richtige Schuhgröße bemisst sich zum einen an der längsten Zehe des Kindes, diese ist erfahrungsgemäß die Großzehe oder die benachbarte zweite Zehe. Vor dieser sollte eine Daumenbreite des Kindes (!) Platz bis zur Zehenkappe des Schuhs sein. Zum anderen sollte der Schuh in seiner Breite der Fußbreite entsprechen. Da Kinder im hier diskutierten Alter keine Angaben zur Passform des Schuhs machen können, empfehle ich den Eltern in meiner Praxis die Anfertigung einer Schablone. Hierzu kann das Kind auf ein Blatt Papier gestellt werden, ein Elternteil fährt dann mit einem Stift eng am Fußrand des belasteten Fußes entlang und diese Schablone kann dann ausgeschnitten zum Schuhkauf verwendet werden. Die Passform im Schuh kann dann anhand der Länge der Schablone im Schuh abgeschätzt werden, ebenso wie die Breite. Hinsichtlich der Länge muss die bereits erwähnte Daumenbreite Platz sein, seitlich dürfen sich die Ränder der Schablone weder aufbiegen noch darf die Schablone schlottern.“


Was ist außerdem bei der Fußgesundheit von Babys und Kleinkindern zu beachten? Wie hält man Kinderfüße langfristig gesund?

„Wie schon erwähnt ist regelmäßiges Barfußlaufen als fußgesund zu betrachten, bei älteren Kindern, sprich ab dem Kindergartenalter, sind auch spielerische Fußgymnastik, wie z.B. das Sortieren von Murmeln mit den Füßen, der Zehenspitzengang oder das Zerreißen eines Zeitungsblattes sinnvolle Beschäftigungen zur Kräftigung der Binnenmuskulatur des Kinderfußes.“

Interview mit einer Physiotherapeutin

Nadine Conradty ist Physiotherapeutin mit den Schwerpunkten Sportphysiotherapie sowie Prä- und Postnal-Physiotherapie. Im Familienzentrum Herzogenaurach unterstützt sie Schwangere und Mütter mit evidenzbasierten Kursen und einer alltagsnahen, ganzheitlichen Begleitung.

Warum ist Barfußlaufen aus physiotherapeutischer Sicht so wichtig für die Entwicklung von Kinderfüßen?

„Barfußlaufen ist die natürlichste Form der Fortbewegung und fördert die gesunde Entwicklung von Füßen und Körper. Kinder trainieren dabei automatisch ihre Fußmuskulatur, verbessern ihr Gleichgewicht, Koordination und Körperwahrnehmung. Durch verschiedene Untergründe werden wichtige sensorische Reize gesetzt, die sich positiv auf die gesamte motorische Entwicklung auswirken. Deshalb empfehle ich, Kinder möglichst häufig barfuß laufen zu lassen.“


Welche Eigenschaften sollte der erste Schuh mitbringen, um die natürliche Fußentwicklung bestmöglich zu unterstützen?

„Der erste Schuh sollte den Fuß schützen, ihn aber möglichst wenig einschränken. Wichtig sind eine flexible, dünne Sohle, ausreichend Platz für die Zehen, ein geringes Gewicht und eine gute Passform. Der Schuh sollte den Bewegungsablauf unterstützen und nicht vorgeben. Kinderfüße brauchen Bewegungsfreiheit, damit sich die Muskeln und das Fußgewölbe natürlich entwickeln können.“

Welche Merkmale der Barfußschuhe sind aus physiotherapeutischer Sicht besonders empfehlenswert?

„Barfußschuhe orientieren sich an der natürlichen Form des Fußes. Besonders wichtig sind eine breite Zehenbox, damit sich die Zehen frei bewegen können, sowie eine flache Bauweise ohne Absatz. Dadurch kann der Fuß aktiv arbeiten und seine Muskulatur stärken, anstatt passiv gestützt zu werden.“


Welche Fehler beobachtest du in deiner Praxis am häufigsten bei der Wahl der ersten Kinderschuhe?

„Der häufigste Fehler sind zu kleine Schuhe: Oft merken Eltern gar nicht, dass Kinderfüße sehr schnell wachsen. Außerdem werden häufig sehr steife Schuhe oder Modelle mit dicker Sohle gewählt, die die natürliche Bewegung einschränken. Viele denken auch, ein Kind brauche möglichst viel Halt. Tatsächlich entwickelt sich Stabilität aber vor allem durch aktive Bewegung (und Aufbau der Fußmuskulatur) und nicht durch starre Schuhe.“


Ab welchem Entwicklungsstand oder in welcher Phase benötigen Kinder aus fachlicher Sicht überhaupt Schuhe?

„Schuhe werden eigentlich erst dann benötigt, wenn Kinder draußen auf Untergründen laufen, auf denen Schutz notwendig ist. Zuhause oder auf sicheren Untergründen ist Barfußlaufen oder das Tragen von rutschfesten Socken meist die bessere Wahl. Der erste Schuh dient in erster Linie dem Schutz vor Kälte, Schmutz oder Verletzungen und nicht der Unterstützung des Lauflernens.“


Instagram: mamaworkout_nadineconradty


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